Japanische Speisekarten lesen: die Wörter, mit denen du jede Karte entschlüsselst

Ein japanisches Restaurant zu betreten und auf eine Karte zu stoßen, die vollständig aus Kanji besteht, kann einschüchternd wirken. Die gute Nachricht: 90 % aller Karten verwenden immer wieder dieselben 40 bis 60 Wörter. Wenn du die kennst, bestellst du in Tokio, Osaka oder Kyoto fast alles, ohne auf Fotos zu zeigen. Ein Hinweis speziell für deutschsprachige Lernende gehört allerdings dazu: Die Lesungen in Romaji werden nicht nach deutschen Lesegewohnheiten ausgesprochen. Das j in じゃがいも (jagaimo) ist ein weiches dsch und kein j wie in „jagen“, das ch in お茶 (ocha) ist ein tsch und kein ch wie in „Buch“, das s bleibt am Wortanfang scharf (そば heißt soba mit dem s aus „Bus“ und nicht mit dem summenden s aus „Sonne“), das w in ワイン (wain) ist ein englisches w und kein v, das z in ざるそば ist ein stimmhaftes s und kein ts, und ei in 定食 (teishoku) sind zwei getrennte Vokale e-i und nicht der Diphthong aus „Wein“. Ein Vorteil kommt dir dafür entgegen: Das Deutsche unterscheidet Vokallängen bedeutungsunterscheidend (Staat gegenüber Stadt), und genau dieses Gehör brauchst du für die Längungsstriche in gyūniku, rāmen oder kōhī. Diese Anleitung gibt dir die unentbehrlichen Wörter, nach Kategorien geordnet.

1. Garmethoden, die auf jeder Karte stehen

Die meisten japanischen Gerichte werden nach dem Muster „(Zutat) + Garmethode“ beschrieben. Erkenne die Garmethode, und den Rest kannst du erraten.

WortLesungBedeutung
焼きyakigegrillt oder in der Pfanne gebraten (z. B. 焼き魚 = gegrillter Fisch)
揚げagefrittiert (z. B. 唐揚げ = frittiertes Hähnchen)
nigeschmort (z. B. 煮魚 = geschmorter Fisch, 煮物 = ein Schmorgericht)
蒸しmushigedämpft (z. B. 茶碗蒸し = gedämpftes Ei)
炒めitamein der Pfanne geschwenkt (z. B. 野菜炒め = gebratenes Gemüse)
刺身sashimiroh (in Scheiben geschnittener Fisch)
namaroh oder frisch
天ぷらtenpuraim Teigmantel frittiert (z. B. 野菜の天ぷら = Gemüsetempura)
唐揚げkaraagemariniert, gemehlt und frittiert (z. B. 鶏の唐揚げ)
照り焼きteriyakigegrillt mit süßer Sojaglasur
塩焼きshioyakinur mit Salz gegrillt (z. B. 鮭の塩焼き = mit Salz gegrillter Lachs)
煮込みnikomilange geschmort (z. B. もつ煮込み = geschmorte Innereien)
揚げ出しagedashileicht frittiert und dann in Brühe serviert (z. B. 揚げ出し豆腐)
炙りaburinur an der Oberfläche angebraten (z. B. 炙りサーモン)
和えaemit einer Sauce angemacht (z. B. ごま和え = mit Sesam angemacht)

Ein Gericht entschlüsseln, das du noch nie gesehen hast

Das ist die lohnendste Gewohnheit überhaupt beim Kartenlesen, und sie verwandelt eine Liste von fünfzig Wörtern in mehrere hundert Gerichte. Japanische Gerichtnamen sind fast immer zusammengesetzt, und zwar nach einem von zwei Mustern: Zutat + の + Methode, oder beide Teile einfach zu einem Kompositum verklebt — ein Prinzip, das dir aus dem Deutschen vertraut ist, wo Rinderbraten aus Rind und Braten besteht. Sobald du den Namen zerlegen kannst, liest du auch, was dir noch nie begegnet ist:

Manche Namen sind idiomatisch und lassen sich nicht zerlegen; das im Voraus zu wissen erspart dir das ratlose Starren. 肉じゃが (にくじゃが) heißt wörtlich „Fleisch-Kartoffel“ — ein Schmorgericht, aber das Wort für die Methode fehlt. 親子丼 (おやこどん) bedeutet „Schale von Eltern und Kind“: Hähnchen und Ei auf Reis, und ja, der Witz ist beabsichtigt. きつねうどん sind „Fuchs-Udon“, benannt nach dem süß frittierten Tofu (油揚げ, あぶらあげ), den Füchse der Überlieferung nach so gern mögen. Auch die regionalen Bezeichnungen sind eine echte Falle: たぬき meint auf einer Soba-Karte in Tokio das eine (Nudeln mit 天かす, den knusprigen Bröseln vom Tempurateig) und in Osaka etwas ganz anderes. Wenn ein Name sich partout nicht zerlegen lässt, ist das das Signal, おすすめは? zu fragen oder im Wörterbuch nachzusehen, statt zu raten.

2. Fleisch, Fisch und andere Proteine

WortLesungBedeutung
nikuFleisch (allgemein)
牛肉gyūnikuRindfleisch
豚肉butanikuSchweinefleisch
鶏肉torinikuHähnchenfleisch
sakanaFisch
sakeLachs
maguroThunfisch
海老ebiGarnele
kaniKrabbe
tamagoEi
gyūRind (Kurzform, sehr häufig auf Karten)
butaSchwein (Kurzform)
toriHähnchen (Kurzform)
挽肉hikinikuHackfleisch
kaiMuscheln
イカikaTintenfisch
タコtakoOktopus

Achte auf die Kurzformen in dieser Liste. Karten kürzen ununterbrochen ab — 牛 allein heißt Rind, 豚 allein heißt Schwein —, also ist 豚キムチ Schwein mit Kimchi und 牛カルビ Rinderrippe. Das einzelne Zeichen zu erkennen spart dir weit mehr Lesezeit, als das zweizeichige Wort auswendig zu lernen.

Teilstücke, Innereien und die Meeresfrüchte, die dir im Izakaya begegnen

WortLesungBedeutung
ロースrōsuLende, Rückenstück
バラbaraBauch (豚バラ = Schweinebauch)
モモmomoKeule, Schenkel
ヒレhireFilet, das zarteste Teilstück
ささみsasamidas zarte Innenfilet der Hähnchenbrust, sehr mager
砂肝sunagimoMuskelmagen — ein Klassiker beim Yakitori
レバーrebāLeber
ホルモンhorumonInnereien, meist gegrillt
ぶりburiGelbschwanzmakrele
さばsabaMakrele
あじajiStöcker, auch Bastardmakrele genannt
いわしiwashiSardine
うなぎunagiSüßwasseraal, meist mit süßer Sauce gegrillt
ホタテhotateJakobsmuschel
うにuniSeeigel
いくらikuraLachsrogen
白身shiromiWeißfisch (als Kategorie)
豆腐tōfuTofu
納豆nattōfermentierte Sojabohnen

Fischnamen sind eine der wenigen Stellen, an denen Karten zuverlässig Katakana oder Hiragana statt Kanji verwenden — 鮪 und 鰤 gibt es, aber viele Lokale schreiben マグロ und ぶり, weil die Kanji selbst für Muttersprachler selten sind. Für Lernende ist das eine gute Nachricht: Der Fischteil ist oft der lesbarste Abschnitt einer Sushi-Karte. Wenn dich ausgerechnet Katakana ausbremst, ist die Anleitung zu den Katakana-Lehnwörtern das, was du vor einer Reise am schnellsten in Ordnung bringst.

3. Grundnahrungsmittel und Beilagen

WortLesungBedeutung
ご飯gohanReis, auch Mahlzeit
menNudeln
うどんudondicke Weizennudeln
そばsobaBuchweizennudeln
ラーメンrāmenRamen
定食teishokuMenü (Reis + Hauptgericht + Beilagen)
お味噌汁omisoshiruMisosuppe
漬物tsukemonoeingelegtes Gemüse
サラダsaradaSalat
パンpanBrot
don / donburieine Reisschale mit Auflage
カレーkarējapanischer Curry, dicker und milder als der indische
チャーハンchāhangebratener Reis
おにぎりonigiriReisball
おかずokazudas Gericht, das zum Reis gegessen wird
揚げ物agemonoFrittiertes (als Überschrift auf der Karte)

Nudeln und Reisschalen im Detail

Nudel- und Donburi-Lokale haben ihr eigenes, kompaktes Vokabular, und das meiste davon sind Bestelloptionen und keine Speisen. Das sind die Wörter, die entweder als Abschnitte auf der Karte auftauchen oder als Auswahl, nach der dich das Personal fragt:

WortLesungBedeutung
醤油shōyuBrühe auf Sojasaucenbasis — im Osten Japans die Standardvariante bei Ramen
味噌misoMisobrühe, kräftiger und oft mit Hokkaido verbunden
shioSalzbrühe, die leichteste der vier
豚骨tonkotsuBrühe aus Schweineknochen, dick und trüb, ursprünglich aus Kyushu
替え玉kaedamaeine Extraportion Nudeln, die in die restliche Brühe kommt
硬めkatamefestere Nudeln — eine Option, nach der du gefragt werden kannst
つけ麺tsukemenNudeln trocken serviert, daneben eine konzentrierte Tunkbrühe
冷やしhiyashigekühlt (冷やし中華 = kalte Nudeln, ein Sommergericht)
ざるそばzaru sobakalte Soba auf einem Bambustablett mit Tunksauce
かけkakeschlicht, in heißer Brühe serviert (かけうどん)
月見tsukimi„Mondschau“ — mit einem rohen Ei obendrauf
牛丼gyūdongeschmortes Rindfleisch mit Zwiebeln auf Reis
親子丼oyakodonHähnchen und Ei auf Reis
カツ丼katsudonpaniertes Schweineschnitzel, mit Ei geschmort, auf Reis
天丼tendonTempura auf Reis
海鮮丼kaisendongemischte rohe Meeresfrüchte auf Reis

Gemüse, Würzmittel und die Wörter rund um den Teller

WortLesungBedeutung
野菜yasaiGemüse (als Kategorieüberschrift)
玉ねぎtamanegiZwiebel
ねぎnegiFrühlingszwiebel, japanischer Lauch
大根daikonweißer Rettich
人参ninjinKarotte
じゃがいもjagaimoKartoffel
茄子nasuAubergine
きゅうりkyūriGurke
もやしmoyashiSojasprossen
きのこkinokoPilze (allgemein)
椎茸shiitakeShiitake-Pilz
海苔norigetrocknetes Algenblatt
わかめwakameweiche Alge, häufig in der Misosuppe
生姜shōgaIngwer
にんにくninnikuKnoblauch
出汁dashider Fond, der unter fast allem liegt
ポン酢ponzuTunksauce aus Zitrus und Sojasauce
七味shichimiSieben-Gewürze-Chilimischung, steht in Nudellokalen auf dem Tisch
辛いkaraischarf (regional auch „salzig“)
甘いamaisüß

Menüs, Portionen und Nachschlag

Diese Wörter kommen in Lehrbüchern für Anfänger kaum vor und stehen auf fast jeder Karte in Japan. Allein diese Tabelle zu lernen verändert, wie viel du von einem Mittagsangebot tatsächlich nutzen kannst:

WortLesungBedeutung
定食teishokuMenü: ein Hauptgericht mit Reis, Misosuppe und eingelegtem Gemüse
セットsettoSet — meist das Gericht plus Getränk oder Beilage
単品tanpinà la carte: das Gericht allein, ohne Menü
大盛りōmorigroße Portion — oft kostenlos oder gegen einen kleinen Aufpreis
並盛りnamimorinormale Portion
小盛りkomorikleine Portion
おかわりokawariNachschlag (Reis, Suppe oder Getränk)
食べ放題tabehōdaiso viel du essen kannst, in der Regel zeitlich begrenzt
飲み放題nomihōdaiso viel du trinken kannst, meist 90 oder 120 Minuten
日替わりhigawaridas Tagesgericht, das täglich wechselt
本日のおすすめhonjitsu no osusumedie Empfehlung des Tages
ランチranchiMittagsmenü — günstiger und meist nur werktags tagsüber
持ち帰りmochikaerizum Mitnehmen (auch テイクアウト geschrieben)
店内tennaiim Lokal essen, im Gegensatz zum Mitnehmen

Eine praktische Folge daraus: Wenn ein Gericht als 単品 teuer aussieht, es aber eine Fassung als 定食 für ein paar hundert Yen mehr gibt, ist das Menü fast immer das bessere Angebot, weil Reis, Suppe und eingelegtes Gemüse enthalten sind statt einzeln berechnet zu werden. Und 大盛り lohnt sich selbst dann zu lernen, wenn du gar nicht mehr essen willst — in Nudel- und Donburi-Lokalen fragt das Personal danach, und die Frage zu verstehen geht schneller, als die Antwort hinterher zu entziffern.

4. Getränke

WortLesungBedeutung
mizuWasser
お茶ochaTee (meist grüner)
コーヒーkōhīKaffee
ジュースjūsuSaft
ビールbīruBier
日本酒nihonshuSake (Reiswein)
ワインwainWein
ソフトドリンクsofuto dorinkualkoholfreies Getränk
お冷ohiyadas kalte Wasser, das kostenlos an den Tisch gebracht wird
緑茶ryokuchagrüner Tee
ウーロン茶ūronchaOolong-Tee — die alkoholfreie Standardbestellung im Izakaya
麦茶mugichagerösteter Gerstentee, im Sommer kalt serviert
紅茶kōchaSchwarztee (wörtlich „roter Tee“)
牛乳gyūnyūMilch

Alkoholkategorien auf einer Getränkekarte

Getränkekarten sind nach Kategorien und nicht nach Marken geordnet, sieben oder acht Kategoriewörter reichen also, um dich auf einer Seite zurechtzufinden, die sonst undurchdringlich wirkt:

WortLesungBedeutung
生ビールnama bīruFassbier — 生 allein auf einer Karte bedeutet genau das
瓶ビールbin bīruFlaschenbier
日本酒nihonshuSake; das Wort auf der Karte, denn 酒 allein heißt nur Alkohol
熱燗atsukanwarm servierter Sake
冷酒reishugekühlt servierter Sake
焼酎shōchūBranntwein aus Gerste, Süßkartoffel oder Reis
梅酒umeshusüßer Pflaumenlikör, oft mit Soda oder Eis bestellt
ハイボールhaibōruWhisky mit Soda
チューハイ・サワーchūhai / sawāShōchū mit Soda und Fruchtaroma
おつまみotsumamikleine Gerichte zum Trinken
乾杯kanpaiProst — einmal gemeinsam gesagt, bevor jemand trinkt

Zwei Gepflogenheiten solltest du vor deinem ersten Izakaya kennen. Getränke werden vor dem Essen bestellt, oft unmittelbar nach dem Hinsetzen, weshalb der Satz とりあえず生で (とりあえずなまで, „erst mal ein Fassbier“) ein solches Klischee ist — er verschafft dem Tisch Zeit, die Karte zu lesen. Und niemand trinkt, bevor alle ein Glas haben und jemand 乾杯 sagt. Dem Nachbarn einzuschenken statt sich selbst ist normal, und dieses kleine Stück Etikette kostet nichts und fällt immer auf.

5. Bestellen und bezahlen — die Formeln, die du wirklich brauchst

AusdruckLesungBedeutung
すみませんsumimasenEntschuldigung (in diesem Zusammenhang auch „danke“)
これをくださいkore o kudasaidas hier, bitte
おすすめは?osusume wa?was empfehlen Sie?
メニューmenyūSpeisekarte
注文chūmonBestellung
お会計okaikeidie Rechnung
カードでkādo demit Karte (beim Bezahlen)
現金genkinBargeld
美味しいoishiilecker
ごちそうさまgochisōsamadanke für das Essen (nach dem Essen)
いただきますitadakimasulasst uns essen, ich nehme es dankbar an (vor dem Essen)
以上ですijō desu„das ist alles“ — schließt deine Bestellung sauber ab
注文お願いしますchūmon onegai shimasu„wir möchten bestellen“ — sag das nach すみません
持ち帰りできますかmochikaeri dekimasu ka„kann ich das mitnehmen?“

Zählwörter und Mengen beim Bestellen

Beim Bestellen scheitern die meisten Lernenden nicht an den Wörtern fürs Essen, sondern an den Zahlen, denn das Japanische zählt verschiedene Dinge mit verschiedenen Zählwörtern — und die Lesungen ändern sich davor unvorhersehbar. Ansatzweise kennst du das aus dem Deutschen (zwei Glas Bier, drei Stück Kuchen), nur ist es im Japanischen Pflicht. Fürs Restaurant brauchst du sehr wenige davon, und das hier ist die kurze Liste:

ZählwortVerwendet fürLesungen zum Auswendiglernen
〜つalles, wenn du das richtige Zählwort nicht kennstひとつ・ふたつ・みっつ・よっつ
〜杯 (はい)Getränke im Glas, Schalen mit Reis oder Nudelnいっぱい・にはい・さんばい
〜本 (ほん)Flaschen und andere lange, dünne Dingeいっぽん・にほん・さんぼん
〜人前 (にんまえ)Portionen, bei Gerichten zum Teilenいちにんまえ・ににんまえ
〜名様 (めいさま)Personen — du hörst es, du sagst es nicht何名様ですか (なんめいさまですか)

Beachte, dass 一杯 いっぱい lautet, 三杯 aber さんばい, und dass 一本 いっぽん heißt, während 三本 さんぼん ist — der Konsonant verschiebt sich, und er verschiebt sich bei jedem Zählwort anders. Niemand wird dich falsch verstehen, wenn du danebenliegst, aber diese beiden sind im Restaurant so häufig, dass es sich lohnt, sie einmal zu drillen und dann zu behalten. Setzt du alles zusammen, ist eine vollständige Bestellung kurz: すみません、生ビールを二つと、鶏の唐揚げを一つお願いします。以上です。Die Anleitung zu den Zählwörtern deckt den Rest des Systems ab, wenn du das ganze Bild willst, und die höflichen Verben hinter ください und お願いします erklärt die Anleitung zu den Grundlagen des Keigo — ein Blick lohnt sich, denn das Personal spricht dich in einer Höflichkeitssprache an, die du nicht erwidern musst.

6. Profitipps fürs Kartenlesen

7. Preise, Steuern und die Extras auf der Rechnung lesen

Preise stehen entweder mit 円 (えん) hinter der Zahl oder mit dem Zeichen ¥ davor, und größere Zahlen werden mit Komma gruppiert, also anders als im Deutschen: 1,200円 ist せんにひゃくえん, auf Deutsch geschrieben 1.200 Yen. Manche älteren Lokale schreiben statt des Währungsworts 1,200- mit einem Bindestrich. Nichts davon ist schwierig. Was Besucher aus dem Konzept bringt, ist das Kleingedruckte neben der Zahl:

WortLesungBedeutung
税込zeikomiinklusive Steuer — die Zahl ist das, was du zahlst
税別・税抜zeibetsu / zeinukiohne Steuer — die Rechnung fällt höher aus als die Karte
消費税shōhizeiVerbrauchsteuer
サービス料sābisu-ryōServicegebühr, meist in Hotels und gehobenen Restaurants
お通しotōshiein kleines Gericht, das im Izakaya automatisch kommt und berechnet wird
席料・チャージsekiryō / chājieine Platz- oder Grundgebühr
現金のみgenkin nominur Bargeld
お勘定okanjōdie Rechnung (austauschbar mit お会計)

Drei Dinge sind zu erwarten. Erstens beträgt die japanische Verbrauchsteuer 10 % für das Essen im Lokal, aber 8 % für Speisen zum Mitnehmen, weshalb manche Theken und Bäckereien zwei Preise nebeneinander unter den Überschriften 店内 und 持ち帰り ausweisen und das Personal vor dem Kassieren fragt, was du möchtest. Zweitens überrascht お通し fast jeden, der zum ersten Mal in einem Izakaya sitzt: Ein kleines Gericht, das du nicht bestellt hast, kommt an den Tisch, und ein paar hundert Yen dafür stehen auf der Rechnung. Das ist normal und faktisch eine Grundgebühr, kein Fehler und kein Betrug. Drittens ist Trinkgeld in ganz Japan unüblich — für deutsche Gäste die ungewohnteste Regel von allen —, und der Versuch stiftet meist eher Verwirrung als Freude: Der Preis auf der Karte, plus Steuer und etwaige ausgewiesene Gebühren, ist der ganze Vorgang. Viele Restaurants erwarten außerdem, dass du an der Kasse neben der Tür zahlst und nicht am Tisch, nimm also den Zettel mit, der auf deinem Tisch liegen bleibt.

8. Restauranttypen und was dich drinnen erwartet

Zu wissen, was für ein Lokal du betrittst, sagt dir schon vor dem Aufschlagen, wie die Karte aussehen wird, und nimmt oft die ganze Nervosität:

9. Restaurants mit Ticketautomat (券売機)

Ramen-Lokale, Steh-Soba-Bars, Curryketten und viele 食堂 haben neben der Tür einen 券売機 (けんばいき, Ticketautomat). Du zahlst am Automaten, er druckt ein 食券 (しょっけん, Essensticket), und du gibst das Ticket dem Personal. Wer zum ersten Mal dort ist, wartet oft im Eingang darauf, platziert zu werden — genau das solltest du nicht tun, denn es kommt niemand.

  1. Wirf zuerst das Geld ein. Die meisten Automaten lassen dich gar nichts drücken, bevor sie gefüttert sind. Münzen und Scheine funktionieren beide; viele akzeptieren inzwischen 交通系IC-Verkehrskarten wie Suica oder PASMO.
  2. Die Knöpfe oben links sind die Empfehlungen. Die Anordnung ist bemerkenswert einheitlich: Das Aushängeschild des Lokals und die beliebtesten Sets stehen oben links, Beilagen, Extra-Toppings und Getränke weiter unten und rechts.
  3. Unbeleuchtete oder abgeklebte Knöpfe heißen ausverkauft (売切れ, うりきれ). Wenn sich ein Knopf nicht drücken lässt, ist das Gericht alle und nicht der Automat kaputt.
  4. Extras kommen als eigene Tickets. 大盛り, トッピング, 替え玉 und 味噌汁 haben meist eigene Knöpfe, eine vollständige Bestellung können also zwei oder drei Tickets sein, die du zusammen übergibst.
  5. Nimm dein Wechselgeld und deine Tickets mit. Das Wechselgeld kommt bei お釣り (おつり) heraus; wenn du mit Scheinen gezahlt hast, gibt es vielleicht einen 返却レバー (Rückgabehebel) zu drücken. Setz dich dann hin und leg die Tickets vor dir auf die Theke.

Hast du einen davon einmal benutzt, wird dieses Format zur einfachsten Art von Restaurant, in der du als Lernender essen kannst: Es gibt überhaupt keine gesprochene Bestellung, und du kannst dir beim Lesen der Knöpfe so viel Zeit lassen, wie du willst.

10. Allergien und Ernährungseinschränkungen — mit einem ehrlichen Vorbehalt

Diese Sätze sind wirklich nützlich, und sie gehören zusammen mit der Warnung gelesen, die auf sie folgt. Nenne zuerst die Zutat, dann den Satz:

AusdruckLesungBedeutung
卵アレルギーがありますtamago arerugī ga arimasu„Ich habe eine Eiallergie“ — setze jede beliebige Zutat ein
小麦が入っていますかkomugi ga haitte imasu ka„Ist da Weizen drin?“
ねぎ抜きでお願いしますnegi nuki de onegai shimasu„Ohne Frühlingszwiebeln, bitte“
肉は食べられませんniku wa taberaremasen„Ich kann kein Fleisch essen“
ベジタリアンですbejitarian desu„Ich bin Vegetarier“
これは何が入っていますかkore wa nani ga haitte imasu ka„Was ist da drin?“

Jetzt der Vorbehalt, der schwerer wiegt als die Sätze. Verstanden zu werden ist nicht dasselbe wie sicher zu sein. Drei bestimmte Fallen tauchen immer wieder auf. 出汁 (dashi), der Fond unter einem sehr großen Teil der japanischen Küche, wird üblicherweise mit かつお節 (getrocknetem Bonito) angesetzt, weshalb Misosuppe, geschmortes Gemüse und Nudelbrühen häufig nicht vegetarisch sind, auch wenn nichts sichtbar Tierisches in der Schale liegt. 醤油 enthält normalerweise Weizen, was Menschen überrascht, die Gluten meiden. Und „kein Fleisch“ wird oft als „keine sichtbaren Fleischstücke“ verstanden, sodass ein Gericht trotzdem in Schweinebrühe gekocht sein kann. Das japanische Lebensmittelrecht verlangt die Kennzeichnung bestimmter Allergene auf verpackten Produkten, aber Restaurants — besonders kleine, inhabergeführte — sind nicht an denselben Standard gebunden, und eine vielbeschäftigte Bedienung kennt womöglich nicht jede Zutat einer Sauce.

Für eine bloße Vorliebe reichen die Sätze oben also. Bei einer medizinisch ernsten Allergie nutze sie als Gesprächseinstieg und nicht als Garantie: Trage eine auf Japanisch geschriebene Karte mit dem Namen des Allergens bei dir, bevorzuge größere Ketten, die meist vollständige Allergentabellen auf ihren Websites und oft auch auf der Karte veröffentlichen, und sei bereit, ein Lokal zu verlassen, das unsicher wirkt. 精進料理 (しょうじんりょうり), die buddhistische Tempelküche, ist von Grund auf pflanzlich und dort, wo es sie gibt, eine verlässliche Option. Sprich die Wörter für die Zutaten langsam und deutlich aus — genau in dieser Lage hört die Präzision bei der Vokallänge, die die Anleitung zur Aussprache behandelt, auf, bloß kosmetisch zu sein.

11. Probier es gleich aus

Öffne bei Google Images das Foto einer japanischen Speisekarte und versuche, mindestens 5 Gerichtnamen zu lesen. Zähle, wie viele du erkennst. Wenn du 5 von 10 schaffst, bist du schon auf funktionalem Reiseniveau. Um deinen Wortschatz für die Karte weiter aufzufüllen, nimm die Kategorie Essen im Modul Grundwortschatz und geh dann zum Modul JLPT N5 weiter.

Diese 50 Wörter decken den allergrößten Teil jeder japanischen Speisekarte ab. Drill sie, und dein nächster Besuch in einem 居酒屋 (Izakaya) fühlt sich deutlich leichter an.