Der JLPT-Prüfungstag: Format, Zeiteinteilung, Bewertung und Strategie im Prüfungsraum

Die meisten Menschen, die beim Japanisch-Sprachtest (JLPT) durchfallen, fallen nicht durch, weil ihr Japanisch eine Stufe zu niedrig war. Sie fallen durch, weil sie elf Minuten an einem einzigen Lesetext hängen geblieben sind und die letzten drei nie zu Gesicht bekommen haben, oder weil sie bei Wortschatz und Grammatik glänzend abgeschnitten haben und dann im Hörverstehen unter die Mindestpunktzahl je Wertungsteil gerutscht sind — eine Regel, die deine Gesamtpunktzahl stillschweigend außer Kraft setzt. Dieser Leitfaden behandelt die Mechanik: wie die Prüfung auf jeder Stufe aussieht, wie die Bewertung tatsächlich funktioniert, wie du dir die Zeit einteilst und was du im Raum tust, wenn dich eine Aufgabe besiegt. Regeln, die je nach Land oder Jahr verschieden ausfallen, sind als solche gekennzeichnet; prüfe die Einzelheiten immer auf der offiziellen JLPT-Seite für dein eigenes Prüfungszentrum nach.

1. Wie dieser Tag wirklich abläuft

Der JLPT ist eine Papierprüfung im Multiple-Choice-Format mit maschinell gelesenem Antwortbogen. Es gibt keinen Sprech- und keinen Schreibteil — du produzierst keinen einzigen japanischen Satz selbst. Alles ist eine Auswahl aus vier Optionen, mit Bleistift auf einem maschinenlesbaren Bogen ausgefüllt. Diese eine Tatsache sollte deine Vorbereitung prägen: Erkennungsgeschwindigkeit zählt weit mehr als Produktionsgenauigkeit, und genau deshalb schlägt sich Vokabeltraining in einem Werkzeug wie unserer Lernseite so unmittelbar in Punkten nieder.

Ein typischer Vormittag läuft so ab. Du kommst deutlich vor der angegebenen Meldezeit im Zentrum an, suchst deinen Raum und deine Platznummer auf den am Eingang ausgehängten Listen und setzt dich. Eine Aufsichtsperson gleicht deinen Prüfungsausweis und deinen Lichtbildausweis mit deinem Platz ab. Handys werden ausgeschaltet — vollständig aus, nicht lautlos — und nach Anweisung verstaut. Danach laufen die Prüfungsteile in fester Reihenfolge mit Pausen dazwischen: Sprachwissen, Leseverstehen und zum Schluss Hörverstehen. Das Hörverstehen kommt immer zuletzt, und es wird immer ein einziges Mal über die Lautsprecher des Raums abgespielt, für alle gleichzeitig. Wenn die Aufnahme endet, endet die Prüfung.

Daraus folgen zwei praktische Konsequenzen. Erstens dauert die gesamte Veranstaltung weit länger als die Summe der Prüfungsteile — mit Anmeldung vor Ort, Anweisungen und Pausen zieht sich ein Vormittagstermin je nach Stufe üblicherweise über drei bis fünf Stunden von Tür zu Tür. Plane Essen und Anfahrt danach, nicht nach den 90 oder 165 Minuten tatsächlicher Prüfungszeit. Zweitens kannst du nicht früher gehen und wiederkommen; sobald ein Prüfungsteil begonnen hat, bleibst du bis zu seinem Ende im Raum.

2. Aufbau der Prüfungsteile und Zeiten je Stufe

Die Prüfung besteht auf den Stufen N3, N4 und N5 aus drei Prüfungsteilen, auf N2 und N1 dagegen nur aus zweien, weil dort Wortschatz, Grammatik und Leseverstehen zu einer einzigen langen Prüfung zusammengefasst sind. Die ungefähren Dauern stehen unten. Sie wurden in den vergangenen Jahren überarbeitet: Nimm sie als Planungsgröße und prüfe die aktuellen Zahlen vor deinem Termin auf der offiziellen Seite nach:

StufePrüfungsteil 1Prüfungsteil 2HörverstehenUngefähre Gesamtprüfungszeit
N5Wortschatz/Schrift ~20 Min.Grammatik + Leseverstehen ~40 Min.~30 Min.~90 Min.
N4Wortschatz/Schrift ~25 Min.Grammatik + Leseverstehen ~55 Min.~35 Min.~115 Min.
N3Wortschatz/Schrift ~30 Min.Grammatik + Leseverstehen ~70 Min.~40 Min.~140 Min.
N2Wortschatz + Grammatik + Leseverstehen zusammen, ~105 Min.~50 Min.~155 Min.
N1Wortschatz + Grammatik + Leseverstehen zusammen, ~110 Min.~55 Min.~165 Min.

Der Sprung von N3 auf N2 ist nicht nur ein sprachlicher. Auf N3 bekommst du für das Leseverstehen eine frische Uhr, sobald der Wortschatzbogen eingesammelt ist; auf N2 und N1 bekommst du einen einzigen Block von 105 bis 110 Minuten und musst ihn dir selbst einteilen, und an dieser Selbsteinteilung scheitert eine überraschend große Zahl ansonsten fähiger Prüflinge. Wenn du die Leiter hinaufkletterst, baut der N2-Lernplan genau aus diesem Grund Übung unter Zeitnahme ein.

Innerhalb der Prüfungsteile bleiben die Aufgabentypen von Termin zu Termin gleich. Der Wortschatzbogen fragt nach der Lesung eines Kanji, nach dem richtigen Kanji zu einer vorgegebenen Lesung, nach dem Wort, das in eine Lücke passt, nach einem Beinahe-Synonym und — ab N3 — nach dem Satz, in dem ein vorgegebenes Wort korrekt verwendet wird. Das Leseverstehen steigt von kurzen Gebrauchstexten über mittlere zu langen Passagen auf und enthält eine Aufgabe zur Informationsentnahme: ein Fahrplan, ein Faltblatt oder eine Anmeldeordnung, dazu eine Frage wie „Welchen Kurs kann jemand belegen, der samstags arbeitet?“. Das Hörverstehen prüft das Verständnis der Aufgabe, das Verständnis des Kernpunkts und kurze mündliche Reaktionen, wobei die höheren Stufen längere zusammenhängende Stücke ergänzen.

3. Die Bewertung: skalierte Punktzahlen, Gesamtpunktzahl und die Mindestpunktzahlen je Wertungsteil

Das ist der Abschnitt, den du zweimal lesen solltest, denn hier werden Prüflinge kalt erwischt. Der JLPT meldet keinen Rohprozentsatz zurück. Deine Antworten werden mithilfe der Item-Response-Theorie in skalierte Punktzahlen umgerechnet, sodass eine bestimmte skalierte Punktzahl dieselbe Fähigkeit bedeutet, ganz gleich ob du eine leichte oder eine schwere Prüfung geschrieben hast. Deshalb kannst du dein Ergebnis nicht durch Abzählen der richtigen Antworten berechnen, und deshalb überträgt sich „Ich hatte 70 % im Probetest“ nur unzuverlässig auf den Ernstfall.

Jede Stufe wird auf insgesamt 180 Punkte bewertet, aber die Zahl der Wertungsteile unterscheidet sich von der Zahl der Prüfungsteile. N1, N2 und N3 haben drei Wertungsteile von je 0 bis 60. N4 und N5 haben zwei: Sprachwissen und Leseverstehen sind zu einem einzigen Block von 0 bis 120 verschmolzen, das Hörverstehen steht mit 0 bis 60 für sich.

StufeWertungsteile (Bereich)Mindestpunktzahl je WertungsteilBestehensgrenze gesamt (von 180)
N1Sprachwissen 0–60 · Leseverstehen 0–60 · Hörverstehen 0–60je 19100
N2Sprachwissen 0–60 · Leseverstehen 0–60 · Hörverstehen 0–60je 1990
N3Sprachwissen 0–60 · Leseverstehen 0–60 · Hörverstehen 0–60je 1995
N4Sprachwissen + Leseverstehen 0–120 · Hörverstehen 0–6038 und 1990
N5Sprachwissen + Leseverstehen 0–120 · Hörverstehen 0–6038 und 1980

Du musst sowohl die Gesamtpunktzahl als auch jede einzelne Mindestpunktzahl erreichen. Ein Prüfling, der auf N2 55 Punkte im Sprachwissen, 50 im Leseverstehen und 18 im Hörverstehen erzielt, hat 123 von 180 — bequem über der Bestehensgrenze von 90 — und fällt trotzdem durch, weil 18 unter der Hörverstehens-Mindestpunktzahl von 19 liegt. Das passiert bei jedem Termin Menschen, die das Hören vernachlässigt haben, weil sich Lesen produktiver anfühlte. Beachte, wie niedrig die Latte liegt: 19 von 60 sind weniger als ein Drittel. Die Mindestpunktzahl verlangt keine Exzellenz, sondern nur eine Grundkompetenz, die du nicht durch Stärken anderswo vortäuschen kannst. Bau das Hören von Anfang an in deine Wochenroutine ein — der Leitfaden zur täglichen Routine zeigt, wie es sich zwischen alles andere einfügt. An der eigenen Aussprache zu arbeiten hilft hier ebenfalls, denn Laute, die du nicht produzieren kannst, sind Laute, die du im Tempo nur mühsam entschlüsselst.

Zwei weitere Tatsachen zur Bewertung lohnen es, verinnerlicht zu werden. Für falsche Antworten gibt es keinen Abzug — nicht den geringsten Minuspunkt —, weshalb ein leer gelassener Kreis strikt schlechter ist als geraten. Und die oben genannten Bestehensgrenzen sind seit Jahren stabil, doch die Regeln und Zahlen zu den Wertungsteilen legen letztlich die Veranstalter fest: Prüfe sie für deinen Termin auf der offiziellen Seite nach, statt einer fremden Seite zu vertrauen, diese hier eingeschlossen.

4. Anmeldung und Kalender

Der JLPT findet zweimal im Jahr statt, an einem Sonntag im Juli und an einem Sonntag im Dezember. Nicht jeder Ort bietet beide Termine an: Viele Prüfungsorte im Ausland führen nur den Dezembertermin durch, eine kleinere Zahl nur den im Juli. Sieh dir die Liste für Deutschland, Österreich oder die Schweiz an, bevor du um ein Datum herum planst, denn „Der JLPT ist im Juli“ ist für viele Städte schlicht falsch.

Die Anmeldefenster öffnen etwa drei bis vier Monate vor der Prüfung und werden vor Ort verwaltet — in Japan von einer einzigen Organisation, im Ausland von einer je Stadt benannten gastgebenden Institution, jede mit eigenem Portal, eigener Gebühr und eigener Frist. Gefragte Zentren sind tatsächlich ausgebucht, manchmal wenige Tage nach der Öffnung: Behandle den Anmeldetermin deshalb als dringlicher als den Prüfungstermin. Trage beide in deinen Kalender ein, sobald sie bekannt gegeben werden.

Du wählst deine Stufe bei der Anmeldung und kannst sie später nicht mehr ändern, also entscheide ehrlich. Der häufigste Fehler ist, sich eine Stufe über dem eigenen Können anzumelden, in der Annahme, die Frist werde schon motivieren. Manchmal tut sie das; häufiger produziert sie einen Durchfallbescheid und eine verlorene Gebühr. Eine brauchbare Faustregel: Wenn du sechs Monate vorher die Wortschatzliste der Stufe nicht bequem beherrschst — zum Beispiel die N3-Liste, wenn du im Dezember N3 anpeilst —, tritt zur Stufe darunter an und bestehe sie sauber. Und wenn du zwischen dem JLPT und der punktbasierten Alternative schwankst, legt der Vergleich von JLPT und JPT dar, welches Zertifikat zu welchem Ziel passt.

5. Was du mitbringst — und was zu Hause bleibt

Pack am Abend vorher. Die Liste ist kurz, und der Preis für ein vergessenes Stück steht in keinem Verhältnis dazu:

Nimm eine Flasche Wasser und etwas zu essen für die Pause mit und zieh dich nach dem Zwiebelprinzip an: Prüfungssäle schwanken zwischen überheizt und eiskalt, und du hast keinen Einfluss darauf. Wenn du in einem Land antrittst, in dem der Julitermin in den Hochsommer fällt, ist die Frage der Raumtemperatur alles andere als nebensächlich.

6. Zeiteinteilung: ein konkreter Plan, keine vage Absicht

„Teile dir deine Zeit ein“ ist ein nutzloser Rat, solange er nicht mit Zahlen kommt. Rechne deine eigenen vor dem Prüfungstag aus, mit einer echten Prüfung aus einem Vorjahr und einer Uhr, aber so sieht der Umriss eines tragfähigen Plans aus.

Für den Wortschatzbogen veranschlagst du grob 30 bis 40 Sekunden pro Aufgabe und rechnest damit, früh fertig zu sein. Diese Fragen sind reiner Abruf: Entweder weißt du, dass 郵便局 (ゆうびんきょく) so gelesen wird, oder du weißt es nicht, und dreißig zusätzliche Sekunden Anstarren erzeugen das Wissen nicht. Antworten, weitergehen, nicht zurückschauen. Jede Zeit, die du hier sparst, ist Zeit, die du dem Leseverstehen nicht gestohlen hast.

Für einen kombinierten Block aus Grammatik und Leseverstehen — die Lage auf N2 und N1 sowie der zweite Bogen auf N3 bis N5 — teilst du die Uhr ausdrücklich ein, bevor du beginnst. Eine praktikable Aufteilung auf N2 lautet: ungefähr 25 Minuten für die Grammatikaufgaben, 70 Minuten für das Leseverstehen und 10 Minuten zurückgehalten für die Übertragung und die Kontrolle. Schreib deine Zielzeit für den Grammatikteil in die Ecke des Aufgabenhefts und halte dich daran, selbst wenn zwei Aufgaben ungelöst bleiben; eine nicht angekreuzte Grammatikfrage kostet einen Punkt, während ein Überziehen ins Leseverstehen dich einen ganzen langen Text kosten kann, der mehrere wert ist.

Innerhalb des Leseverstehens teilst du nach Textlänge ein statt nach Aufgabenzahl: rund 3 bis 4 Minuten für jeden kurzen Text, 6 bis 8 für einen mittleren, 10 bis 12 für einen langen und 5 bis 6 für die Aufgabe zur Informationsentnahme, die einschüchternd aussieht, aber vor allem eine Suchübung ist. Setz dir einen gedanklichen Kontrollpunkt bei der Hälfte der Uhr. Wenn du dann hinterherhinkst, spring zu den kürzeren Texten vor, sichere dir diese Punkte und kehre mit dem Rest zum langen Text zurück.

Das Hörverstehen gibt sein Tempo selbst vor, und darin besteht die ganze Schwierigkeit: Du kannst es weder verlangsamen noch zurückspulen. Die einzige Variable, die du steuerst, ist die Lücke zwischen den Aufgaben, und die Disziplin besteht darin, eine Frage in dem Augenblick fallen zu lassen, in dem die nächste beginnt. Prüflinge, die noch an Frage 4 kauen, während Frage 5 läuft, verlieren beide. Lass los, kreuze deine beste Vermutung an und sei für die nächste da.

7. Strategie, Prüfungsteil für Prüfungsteil

Wortschatz und Schrift: schnelle Punkte, schnell geholt

Diese Aufgaben sind die billigsten Punkte der Prüfung und die, die sich durch gewöhnliches Lernen am stärksten verbessern lassen. Keine Technik ersetzt es, das Wort zu kennen, und genau deshalb besteht der vernünftige Zug darin, den Wortschatz in den Monaten davor zu überpräparieren und ihm am Prüfungstag dann so wenig Zeit wie möglich zu geben. Hüte dich dabei vor einer Täuschung, die deutschsprachige Lernende besonders trifft: Einige Katakana-Wörter stammen tatsächlich aus dem Deutschen (アルバイト, テーマ, カルテ, ゲレンデ), aber sie sind nach Gehör übernommen und häufig umgedeutet worden — アルバイト heißt „Nebenjob“, nicht „Arbeit“ —, und die überwältigende Mehrheit der Entlehnungen kommt ohnehin aus dem Englischen. Eine Familienähnlichkeit garantiert also nie die Bedeutung. Unser JLPT-Modul versammelt 2.904 Wörter über die fünf Stufen, und gemeinsame Kanji-Bestandteile zu erkennen trägt dich durch manche Leseaufgabe, in der du ein Zeichen nur halb wiedererkennst. Am Prüfungstag gilt: Lies die vier Optionen, bevor du den Aufgabenstamm erneut liest, scheide offensichtlich falsche Lesungen über die Klanggestalt aus, und lass nie einen Wortschatzkreis leer.

Grammatik: prüfe den Anschluss, nicht die Bedeutung

Die meisten Grammatik-Distraktoren sind grammatisch falsch, nicht semantisch — sie schließen an die falsche Form an. Bevor du die Bedeutung abwägst, sieh dir an, was vor der Lücke steht: eine Wörterbuchform, ein ます-Stamm, eine te-Form, ein Nomen? Die Hälfte der Optionen disqualifiziert sich meist allein an dieser Prüfung. Für die Aufgaben zum Umstellen der Satzteile baust du den Satz mit Bleistift im Heft von den Enden her nach innen auf; die Schlusspartikel und das satzschließende Verb sind in der Regel die am stärksten festgelegten Stücke. Anschlussregeln — welche Form ein Muster vor sich verlangt — sind das, wovon diese Fragen leben, und wenn dir diese Art Wissen vertraut vorkommt, dann weil sie der Rektion im Deutschen entspricht: Welchen Fall eine Präposition verlangt, lernt man als Regel und nicht aus der Bedeutung. Wiederhole sie also als Regeln, nicht als Bedeutungen.

Leseverstehen: erst die Frage, dann der Text

Lies die Frage vor der Passage. Sie sagt dir, wonach du jagst, und verwandelt eine langsame Aufgabe des Vollverständnisses in eine gezielte Suche. Für Aufgaben zur Informationsentnahme ist das entscheidend — du suchst eine einzige Zeile einer Tabelle, du liest kein Faltblatt. Wenn dir ein unbekanntes Wort begegnet, widerstehe dem Drang, es zu entschlüsseln; prüfe, ob die Frage tatsächlich davon abhängt, und wenn nicht, geh weiter. Lesegeschwindigkeit auf Prüfungsniveau hängt vor allem davon ab, vor wie wenigen Wörtern du anhalten musst, was wieder ein verkapptes Wortschatzproblem ist und kein Technikproblem — die schnellsten Leser im Raum sind schlicht die, die am seltensten anhalten.

Hörverstehen: kein zweites Abspielen, also notiere diszipliniert

Nutze die Sekunden vor jeder Aufgabe, um alles Gedruckte zu lesen — Optionen, Bilder oder die Zeile zur Situation. Viele Aufgaben geben dir die Auswahlmöglichkeiten vorab, und zu wissen, dass nach einer Uhrzeit, einem Preis oder einem Ort gefragt wird, sagt dir, welches Detail du fangen musst. Mach Notizen, aber kurze: Zahlen, Uhrzeiten, Namen und Verneinungen. Vollständige Sätze zu schreiben heißt, mit dem Zuhören aufzuhören. Zwei Dinge verdienen aus deutschsprachiger Sicht besondere Aufmerksamkeit, und das erste ist ein Geschenk: Das Deutsche unterscheidet Vokallängen bedeutungstragend (Staat gegen Stadt, Miete gegen Mitte), du hörst den Unterschied zwischen おじさん und おじいさん also mit einem bereits geschulten Ohr. Das zweite ist eine Falle: Der deutsche Doppelkonsonant in der Schrift markiert nur den kurzen Vokal davor und ist kein wirklich langer Laut, während der japanische Doppelkonsonant in きった eine eigene Mora füllt — die einzige vertraute Entsprechung liegt in Wortfugen wie „Rolltreppe“. Auch die ら行-Reihe hilft dir nicht von selbst, weil das deutsche r im Rachen gebildet wird und mit dem japanischen Schlaglaut nichts zu tun hat. Achte besonders auf Kehrtwenden — 「やっぱり」, 「じゃなくて」, 「でも」 —, denn ein großer Teil der Hörverstehensaufgaben hängt daran, dass ein Plan auf halbem Weg geändert wird, und die Antwort ist die revidierte Fassung, nicht die zuerst genannte.

8. Der Antwortbogen, und was zu tun ist, wenn du feststeckst

Alles wird maschinell aus ausgefüllten Kreisen bewertet, die Mechanik verdient also echte Aufmerksamkeit. Fülle jeden Kreis satt und innerhalb der Umrandung aus; ein Häkchen oder eine halbe Markierung kann als leer gelesen werden. Radiere vollständig, wenn du eine Antwort änderst. Sichere dich vor allem gegen den Zeilenversatz ab: Überspringst du im Heft eine Frage, ohne auf dem Bogen die entsprechende Zeile zu überspringen, verschiebt sich jede weitere Antwort um eins, was eine starke Leistung in ein Durchfallen verwandeln kann. Zwei Gewohnheiten verhindern das: Übertrage die Antworten in kleinen Gruppen statt einzeln, und wirf alle zehn Aufgaben einen Blick auf die Aufgabennummer im Heft, um zu bestätigen, dass sie zur Zeilennummer auf dem Bogen passt.

Wenn dich eine Aufgabe besiegt, folge einem festen Ablauf, statt unter Druck zu improvisieren. Scheide aus, was du ausscheiden kannst — schon eine einzige sichere Streichung hebt ein blindes Raten von 25 % auf 33 %. Kreuze sofort die beste verbleibende Option an, setz einen kleinen Punkt neben die Aufgabennummer im Aufgabenheft (niemals auf dem Antwortbogen) und geh weiter. Bleibt am Ende Zeit, kehre zu den Punkten zurück. Weil nichts abgezogen wird, muss der Bogen bei der Abgabe vollständig gefüllt sein; die letzten dreißig Sekunden jedes Prüfungsteils gehören dem Auffüllen der übrigen Kreise mit irgendetwas, statt sie leer zu lassen.

Ein Vorbehalt zum nachträglichen Zweifeln: Ändere eine Antwort nur, wenn du den Grund benennen kannst — „Diese Option benutzt den ます-Stamm, das Muster verlangt aber die Wörterbuchform“ ist ein Grund; „Es fühlt sich jetzt falsch an“ ist meistens keiner.

9. Die Woche davor, der Morgen selbst und die Zeit danach

Hör in der letzten Woche auf, neuen Stoff zu lernen. Neue Wörter, die du am Donnerstag aufnimmst, sind am Sonntag unter Druck nicht abrufbar, und der Versuch frisst die Energie, die du zur Festigung brauchst. Stattdessen: früh in der Woche eine vollständige Prüfung aus einem Vorjahr unter Zeitnahme, um dein Tempo zu eichen, danach täglich kurze Wiederholungen dessen, was du schon halb kannst. Dein Wiederholungsstapel ist hier das richtige Werkzeug — er holt genau die Einträge nach oben, die am Rand des Abrufs sitzen, und dort liegen die Punkte, die den Unterschied machen. Lass das Hören jeden einzelnen Tag mitlaufen, und sei es nur eine Viertelstunde, denn Hörverstehen verfällt schneller als Leseverstehen, sobald man aufhört.

Prüfe zwei Tage vorher die praktischen Einzelheiten: die genaue Adresse des Zentrums, wie lange die Anfahrt nach Sonntagsfahrplan dauert und wann die Meldezeit ist. Komm früh genug, dass eine verspätete Bahn ein Ärgernis bleibt und keine Katastrophe wird.

Iss am Morgen ordentlich — eine dreistündige Prüfung mit leerem Magen ist ein selbst zugefügter Nachteil — und gönn dir auf dem Weg zehn Minuten leichten japanischen Input: eine Seite bereits vertrauter Wörter oder einen kurzen Audioclip. Das Ziel ist nicht Lernen, sondern dein Gehirn auf Japanisch umzuschalten, damit die ersten zehn Fragen nicht fürs Warmlaufen draufgehen. Büffle im Flur keine neue Grammatik; das hebt die Anspannung, ohne die Punktzahl zu heben.

Danach werden die Ergebnisse mehrere Wochen bis rund zwei Monate nach dem Termin online veröffentlicht — üblicherweise gegen Spätsommer für die Juliprüfung und im Spätwinter für die Dezemberprüfung —, wobei die genauen Daten und der Weg der Zustellung von Land zu Land verschieden sind. Du erhältst einen Ergebnisbericht mit deiner skalierten Punktzahl in jedem Wertungsteil sowie der Gesamtpunktzahl, und das ist eine wirklich brauchbare diagnostische Information: Die Aufschlüsselung nach Wertungsteilen sagt dir genau, wohin das Lernen des nächsten Halbjahres gehen sollte. Wer besteht, bekommt zusätzlich ein Zertifikat, versandt über dieselbe Stelle, die die Anmeldung abgewickelt hat. Das Zertifikat läuft nicht ab, auch wenn einzelne Arbeitgeber und Hochschulen ein Ergebnis aus den letzten ein bis zwei Jahren verlangen können.

Wenn du knapp gescheitert bist, lies die Punktzahlen der einzelnen Wertungsteile, bevor du irgendetwas entscheidest. An der Gesamtpunktzahl zu scheitern ist ein Problem des Lernvolumens; an einer Mindestpunktzahl je Wertungsteil bei gesunder Gesamtpunktzahl zu scheitern ist ein Problem der Balance, und das Mittel dagegen sind nicht mehr Stunden, sondern andere Stunden. Und wenn dir ein fester Prüfungskalender überhaupt nicht passt, könnte der JPT besser zu dir passen — 990 Punkte über 200 Fragen, ohne Bestehen oder Durchfallen, deutlich häufiger angeboten; siehe den Leitfaden zur JPT-Prüfung und das JPT-Modul mit seinen 5.862 Wörtern.

Wenn du dir aus diesem Leitfaden eine einzige Sache merkst, dann die Mindestpunktzahl je Wertungsteil: 19 von 60 in jedem Wertungsteil auf N1 bis N3 und 38 sowie 19 auf N4 und N5, zusätzlich zur Bestehensgrenze insgesamt. Schütze zuerst deinen schwächsten Wertungsteil, halte den Antwortbogen vollständig ausgefüllt, weil für falsche Antworten nichts abgezogen wird, und probe deinen Plan zur Zeiteinteilung vor dem Prüfungstag an einer echten Prüfung aus einem Vorjahr. Den Rest erledigen die Wortlisten.