Leitfaden zu den japanischen Partikeln: は, が, を, に, で und ihre Begleiter

Partikeln sind die kleinen Hiragana, die einen japanischen Satz zusammenhalten. Das Deutsche kennt nichts, was ihnen genau entspräche — wir markieren die Rolle eines Wortes am Artikel und an der Endung, also am Wort selbst und davor, nicht mit einem eigenen Zeichen dahinter. Gerechnet auf die Zahl der geschriebenen Zeichen stiftet daher nichts in der ganzen Sprache so viel Verwirrung. Die gute Nachricht: Fünf Partikeln (は, が, を, に, で) erledigen den größten Teil der Arbeit, und jede hat eine Kernaufgabe, die fast jede Verwendung erklärt, die dir begegnen wird. Dieser Leitfaden behandelt diese fünf ausführlich mit echten Beispielsätzen und stellt danach kurz ihre nützlichsten Begleiter vor.

1. Was eine Partikel eigentlich leistet

Eine Partikel steht hinter einem Wort und etikettiert dessen Rolle im Satz: wer etwas tut, was getan wird, wo, womit. Weil die Rollen ausgezeichnet sind, ist die japanische Wortstellung beweglich: 私は本を読む und 本を私は読む bedeuten beide „Ich lese ein Buch.“ Die Grammatik steckt in der Partikel, nicht in der Stellung. Damit hast du als deutschsprachige Person ein gutes Vorbild — auch im Deutschen erlaubt der Kasus „Den Apfel esse ich“ neben „Ich esse den Apfel“. Der entscheidende Unterschied: Das Deutsche markiert die Rolle am Wort selbst, das Japanische mit einem eigenen Zeichen dahinter. Deshalb führt es in die Irre, die Partikel aus der deutschen Wortstellung zu erraten, und deshalb zahlt sich das Lernen der Kernaufgabe jeder Partikel so schnell aus.

2. は — die Themenpartikel („was X angeht …“)

は setzt das Thema: das, worüber der Rest des Satzes spricht. (Geschrieben wird は, doch als Partikel spricht man es wa aus.) Denk es dir als „was X angeht, …“:

は trägt außerdem einen Beiklang von Kontrast, sobald zwei Themen im Spiel sind: ビールは飲みますが、ワインは飲みません。(びーるは のみますが、わいんは のみません) — „Bier trinke ich, Wein dagegen nicht.“

3. が — die Subjektpartikel (neue Information)

が markiert das grammatische Subjekt, vor allem dann, wenn es sich um eine neue Information handelt, um die Antwort auf „wer?“ oder „was?“, oder um das, was existiert:

4. は und が — die praxistaugliche Fassung

Darüber sind ganze Bücher geschrieben worden, doch eine einzige Faustregel löst die meisten Alltagsfälle: は markiert das, worüber der Satz spricht; が markiert die Antwort auf ein Fragewort. Bei は liegt das Gewicht auf dem, was folgt; bei が auf dem, was davorsteht. Ein Hinweis, der dir viel erspart: は ist kein Kasus. Der Nominativ des Deutschen beantwortet immer die Frage „wer oder was?“ — は tut das gerade nicht, denn ein Thema kann ebenso ein Ort, eine Zeit oder ein Objekt sein (今日は …, 寿司は …). Wer は mit dem Nominativ und を mit dem Akkusativ gleichsetzt, baut sich eine Regel, die schon im zweiten Kapitel bricht.

Verborgene FrageNatürliche AntwortWarum
„Wie ist Tanaka?“田中さんは親切です。(たなかさんは しんせつです)Tanaka ist bereits bekannt; neu ist „freundlich“ → は
„Wer ist freundlich?“田中さんが親切です。(たなかさんが しんせつです)Neu ist „Tanaka“ → が
„Und die Elefanten?“象は鼻が長いです。(ぞうは はなが ながいです)Thema = der Elefant (は), Subjekt von „lang sein“ = der Rüssel (が) — beides in einem Satz

Zwei Anschlussregeln: Fragewörter selbst (誰, 何, どこ) können niemals は nehmen — immer 誰, 何. Und im Nebensatz steht が auch für das, was sonst das Thema wäre: 私作ったケーキ (わたしが つくったけーき, „der Kuchen, den ich gebacken habe“). Der japanische Nebensatz steht dabei vollständig vor seinem Bezugswort und hat sein Verb ganz am Schluss — eine Stellung, die dir aus dem deutschen Nebensatz („der Kuchen, den ich gebacken habe“) schon vertraut ist.

5. を — die Partikel des direkten Objekts

を (ausgesprochen o) markiert das, woran das Verb ansetzt. Das ist die mechanischste der fünf: Was im Deutschen im Akkusativ steht, also das X in „X essen / X lesen / X kaufen“, bekommt を:

6. に — Ziel, Zeitpunkt, Existenz und Empfänger

に zielt auf einen Punkt: den Ort, zu dem man sich bewegt, den Zeitpunkt, an dem etwas geschieht, die Stelle, an der etwas liegt, die Person, zu der etwas gelangt:

7. で — wo die Handlung stattfindet und mit welchem Mittel

8. に und で bei Ortsangaben — der Test, der immer funktioniert

Beide lassen sich mit „in“ oder „an“ übersetzen, also frag dich: Drückt das Verb eine Handlung aus, oder nur, dass etwas irgendwo ist? Existenz und Wohnen (いる, ある, 住む) nehmen に. Alles, was du aktiv tust (essen, arbeiten, jemanden treffen, spielen, lernen), nimmt で:

に (irgendwo sein)で (irgendwo etwas tun)
東京に住んでいます。(とうきょうに すんでいます)
„Ich wohne in Tokio.“
東京で働いています。(とうきょうで はたらいています)
„Ich arbeite in Tokio.“
教室に学生がいます。(きょうしつに がくせいが います)
„Im Klassenzimmer sind Studenten.“
教室で昼ご飯を食べます。(きょうしつで ひるごはんを たべます)
„Ich esse im Klassenzimmer zu Mittag.“
机の上に本があります。(つくえのうえに ほんが あります)
„Auf dem Schreibtisch liegt ein Buch.“
机で宿題をします。(つくえで しゅくだいを します)
„Ich mache am Schreibtisch meine Hausaufgaben.“

9. Die Begleiter: へ, と, も, の, か, から, まで

PartikelKernaufgabeBeispiel
Richtung (ausgesprochen e); fast immer austauschbar mit dem に der Zielangabe日本へ行きます。(にほんへ いきます) — „Ich fahre nach Japan.“
„Und“ (vollständige Aufzählung) / „zusammen mit“ / Zitatmarker友達と映画を見ました。(ともだちと えいがを みました) — „Ich habe mit einem Freund einen Film gesehen.“; 「行く」と言いました — „Er sagte: ‚Ich gehe.‘“
„Und unter anderem“ — eine offene Aufzählung (im Gegensatz zu と, das alles aufzählt)机の上に本やペンがあります。(つくえのうえに ほんや ぺんが あります) — „Auf dem Schreibtisch liegen Bücher, Stifte und Ähnliches.“
„Auch“ — ersetzt は oder が私も学生です。(わたしも がくせいです) — „Ich bin auch Student.“
Besitz; verbindet zwei Substantive私の本 (わたしの ほん) — „mein Buch“; 日本語の先生 — „ein Japanischlehrer“
Fragemarker am Satzende; „oder“ zwischen zwei Substantiven行きますか。— „Gehen Sie?“; コーヒーか紅茶 (こーひーか こうちゃ) — „Kaffee oder Tee“
から・まで„Von … bis …“ (Ort oder Zeit)9時から5時まで働きます。(くじから ごじまで はたらきます) — „Ich arbeite von neun bis fünf.“
よ・ねSatzschlusspartikeln: よ teilt der zuhörenden Person mit Nachdruck eine neue Information mit; ね sucht ihre Zustimmungおいしいですよ。— „Das ist lecker, wirklich.“; おいしいですね。— „Das ist lecker, nicht wahr?“

も verdient eine zusätzliche Bemerkung: Sie ersetzt は, が und を (私も, 水も), aber sie hängt sich hinter die übrigen Partikeln — 日本に行きました („Ich war auch in Japan“), 図書館で勉強します („Ich lerne auch in der Bibliothek“).

10. Häufige Fehlermuster

11. Wie Partikeln hängen bleiben

Partikeln lernt man über Sätze, nicht über Regeln; die Regeln oben sagen dir nur, worauf du achten sollst. Während du dich durch den Wortschatz für JLPT N5 und danach durch den für N4 arbeitest, lies jeden Beispielsatz und frag dich „warum diese Partikel?“ — nach wenigen Wochen kommt die Antwort von selbst. Verben mit überraschenden Partikeln (会う, 乗る, 入る) gehören als ganzer Block in dein Wiederholungsdeck, und eine regelmäßige tägliche Einheit liefert dir einen steten Strom korrekter Partikelverwendungen zum Aufnehmen. Wenn du ganz am Anfang stehst, beginn mit dem Leitfaden zum N5-Grundwortschatz, damit dir die Wörter in diesen Beispielen vertraut sind.

Du musst は und が nicht beherrschen, um zu sprechen — du brauchst genug Wortschatz, um Sätze zu bauen, und die Partikeln setzen sich durch den ständigen Kontakt von selbst fest. Öffne das JLPT-Modul, lerne die Wörter eines Tages und lies jedes Beispiel mit den Regeln aus diesem Leitfaden im Kopf.